Spurlos Verschwunden in den Philippinen

Zum Internationalen Tag der Verschwundenen

Am 30. August wurden Facebook User dazu aufgerufen, ihr Profilbild zu entfernen. Ziel dieser Kampagne war es, Opfern des sogenannten Verschwindenlassens Solidarität auszudrücken. Initiiert von KARAPATAN, einer philippinischen Menschenrechtsorganisation und DESAPARECIDOS (Organisation von Familienangehörigen verschwundener Opfer) wollen sie auf das Schicksal von Verschwundenen und das Leid der Familienangehörigen aufmerksam machen – anlässlich des Internationalen Tag der Verschwundenen.

Eine Internetkampagne zum Thema Verschwindenlassen in den Philippinen

Eine Internetkampagne zum Thema Verschwindenlassen in den Philippinen

Vor 20 Jahren hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen die Deklaration über den Schutz aller Personen vor erzwungenem Verschwinden beschlossen und widmen jährlich den 30. August denjenigen, die gegen ihren Willen an einem Aufenthaltsort und unter menschenunwürdigen Bedingungen festgehalten werden. Weltweit sind rund          46 000 Menschen verschwunden – auch in den Philippinen sind solche Praktiken verbreitet.

Unter dem Ausdruck „Verschwindenlassen“ wird die Festnahme, Haft, Entführung oder jede andere Form von Freiheitsentzug durch Staatsakteure verstanden, die mit der Erlaubnis, Unterstützung oder Duldung des Staates handeln. Der betroffenen Person wird jeder rechtliche Schutz entzogen, da über ihren Verbleib keinerlei Auskünfte zu bekommen sind. Auch die Familienangehörigen haben keine Informationen über das Schicksal des Verschwundenen. Solch ein Vorgehen ist ein Verstoß gegen die Menschenrechte. Im Dezember 2010 trat die Konvention zum Schutz aller Personen vor erzwungenem Verschwindenlassen in Kraft – die Philippinen haben die internationale Konvention bisher nicht unterzeichnet.

Opfer der Praktik des Verschwindenlassens sind meist Journalisten, politische und soziale Aktivisten sowie Menschenrechtsverteidiger. Die Verantwortlichen kommen hauptsächlich aus den Reihen des Militärs, der Polizei und Privatarmeen.

Laut der NGO Families of Victims of Involuntary Disappearences (FIND) sind zwischen den Jahren 2001 und 2010 in den Philippinen über 200 Personen verschwunden – die Fälle wurden bis heute nicht aufgeklärt. Die Familien warten bis heute auf Antworten. Der seit 2010 amtierende Präsident Ninoy Aquino versprach bei Amtsantritt, den Opfern und Familienangehörigen vollständige und rasche Aufarbeitung. Doch Human Rights Watch dokumentierte 10 weitere Fälle innerhalb der letzten zwei Jahre. Auch kritisieren sie, dass bisher keine rechtlichen Schritte zur Ermittlung eingeleitet wurden.

Auf Facebook sollte jeder sein Profilbild für einen Tag löschen und somit virtuell verschwinden

Auf Facebook sollte jeder sein Profilbild für einen Tag löschen und somit virtuell verschwinden

Angesichts dieser besorgniserregenden Entwicklungen, finden in diesen Tagen viele Proteste in Manila und anderen philippinischen Großstädten statt. Zahlreiche Menschenrechtsverteidiger, Menschenrechtsorganisationen sowie Familien und Freunde der Opfer fordern die Aquino Regierung auf, die dokumentierten Fälle vollständig aufzuklären und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Außerdem verlangen sie konkrete juristische und gesetzliche Mechanismen zur Vorbeugung wie bspw. Unterzeichnung der UN Konvention gegen das Verschwindenlassen.

Auch andere Staaten schlagen Alarm und ermahnen Präsident Aquino nötige Reformen einzuleiten, um politischen Willen zum Schutz und Gewährleistung der Menschenrechte zu zeigen.

Ein erster Schritt war die Verabschiedung eines Gesetzentwurfs im Juli diesen Jahres, mit dem das Verschwindenlassen zur Straftat erklärt wurde. Bis jetzt hat Präsident Aquino das Gesetz noch nicht unterschrieben. Für Menschenrechtsverteidiger wäre dies ein positives Zeichen.

Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s