Tagebuch eines Mordes – zum Jahrestag der Ermordung Welcie Gicas

Es ist der Morgen des 24. August in Dagumbaan, einem kleinen Barangay außerhalb der Stadt Maramag in der Provinz Bukidnon – Mindanao. Während die Führung PADATAs in Malaybalay City gegen die Übergriffe auf ihre Mitglieder demonstriert, bittet eine Gruppe von Sicherheitskräften der Villalon-Ranch um ein Treffen mit den anderen PADATA – Mitgliedern.

Seit Jahrzehnten besetzt Ernesto Villalon die etwa 487 ha große Ranch und damit das Ahnenland PADATAs. Nachdem Er über Jahre hinweg die Mitglieder PADATAs mit Gewalt von ihrem Ahnenland vertrieben hat, um seinen Besitz zu vergrößern, verweigert er ihnen nun jeglichen Zutritt zu ihrem Land. Dabei kam es bereits zu Bedrohungen und brutalen Übergriffen durch die Goons (private Sicherheitskräfte), mit deren Hilfe Villalon sich die alleinige Nutzung des Landes durch Gewalt sichert. So wurden zwischen dem 15. und 21. Juni 2011 15 Häuser von PADATA-Mitgliedern abgebrannt, sämtlicher Besitz der Bewohner dabei von den Goons gestohlen.

Am Morgen des 24. August geben die Sicherheitskräfte vor, mit den Farmern einen Dialog anzustreben, um zukünftige Gewalt zu verhindern.

6 Mitglieder der privaten Sicherheitskräfte erreichen in den Morgenstunden schwerbewaffnet den Versammlungsort des Sitios, in dem ca. 400 Mitglieder von PADATA leben und arbeiten. Angekommen, fordern sie die anwesenden Farmer auf, aus Sicherheitsgründen ihre Macheten und Rucksäcke abzugeben.

Der verspätet eintreffende Welcie Gica weiss von dieser Maßnahme nichts.

Als er sich weigert seinen Rucksack auszuhändigen, wird er von dem Chef der Sicherheitskräfte, Milo Ceballos, mit zwei gezielten Schüssen getötet.

Nach der Tat versucht Milo Ceballos durch Einschüchterungen und Bestechungen die Zeugen des Mordes von einer Aussage abzubringen. Ohne Erfolg, denn Milo Ceballos und weitere Verdächtige werden von der Polizei aufgrund der Zeugenaussagen der PADATA-Mitglieder noch am selben Tag verhaftet. Nach dem philippinischem Gesetz, hat die Polizei das Recht, einen Verdächtigen unter Mordverdacht bis zu 36 Stunden ohne Anzeige festzuhalten, sofern Zeugenaussagen vorliegen. Aufgrund der Einschüchterungen durch Milo Ceballos hatten die Zeugen sich zunächst geweigert gegen ihn auszusagen. Noch am Abend des selben Tages gelingt es PADATA, die Zeugen zur Aussage zu überreden. Dennoch werden die Verdächtigen gegen 2 Uhr morgens freigelassen.

Widersprüchliche Versionen der Geschichte, welche Welcie Gica als auf Milo Ceballos angesetzten Mörder darstellen, werden schließlich durch die Ermittlungen des zuständigen Staatsanwaltes entkräftet. Ein Haftbefehl wegen Mordes wird gegen Milo Ceballos erst im Dezember erlassen. Seitdem entzieht sich Ceballos der Verhaftung. Aussagen über seinen Aufenthalt gehen auseinander.

PADATA organisiert derweil weitere Protestcamps in Cagayan de Oro, sowie einen Protestmarsch von Maramag nach Manila, wo sie ein weiteres Protestcamp errichten.

Auf der von IPON organisierten Deutschlandreise trägt die Vizepräsidentin von PADATA ihren Fall in mehreren deutschen Städten verschiedenen Vertretern der deutschen Politik vor.

In der Hoffnung, internationalen Druck auf die philippinischen Behörden zu erzeugen arbeitet IPON weiter an dem Fall, und spricht unter anderem mit den verantwortlichen Polizisten der verschiedenen Verwaltungsebenen, so auch in Cagayan de Oro.

Als Ergebnis findet eine Konferenz statt, bei der die Provinzebene der Polizei eine dreimonatige Frist zusichert. Sollte es der lokalen Polizei in Maramag nicht gelingen, innerhalb dieser Frist den Angeklagten festzunehmen, will sich die nächsthöhere Polizei-Division des Falls annehmen.

Diese Frist ist am 15. Mai 2012 abgelaufen.

Bis heute gibt es kein Einschreiten der Polizei in Cagayan de Oro. Auch die Ermittlungen der Commission on Human Rights (Menschenrechtskommission) stagnieren seit Monaten.

Am 24. August jährt sich der Mord an Welcie Gica nun zum ersten Mal, ohne das dem Opfer und seinen Angehörigen Gerechtigkeit widerfahren ist.

Der Fall Welcie Gica ist leider kein Einzelfall. Allein in den letzten 2 Jahren gab es allein in der Provinz Bukidnon fünf IPON bekannte Fälle von Morden an Menschenrechtsverteidigern. Keiner dieser Morde wurde bislang aufgeklärt.

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